Bruno flüstert

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Alle Wölfe im Rudel konnten heulen. Laut, lang, weit über die Berge hinaus.

Bruno auch. Aber er wollte es nicht.

Er flüsterte lieber.

„Bruno!“, riefen die anderen. „Du klingst wie ein Lüftchen! Wie ein Blatt! Wie gar nichts!“

Bruno zog die Schultern hoch und sagte nichts. Er flüsterte meistens nur wenn es ihn freute.

Eines Morgens war Nebel. Dichter, weißer, wattiger Nebel der alles schluckte. Bruno schlich durch den Wald – er liebte das wenn alles so leise war.

Da hörte er ein Geräusch.

Ganz klein. Fast keins.

Schniefen.

Bruno stand still. Noch ein Schniefen. Rascheln. Irgendwo da vorne im Nebel.

„Hallo?“, flüsterte er.

Stille.

„Ich bin Bruno. Ich beiß nicht.“

Ein Rascheln. Dann: „Ich… ich kann meinen Weg nicht finden. Alles ist weiß.“

Ein kleiner Hase kam zögernd näher. Er zitterte ein bisschen.

„Ich auch nicht so richtig“, sagte Bruno leise. „Aber ich kenne den Geruch vom Bach. Der führt nach Hause. Komm mit wenn du willst.“

Der Hase sah ihn an. „Du bist ein Wolf.“

„Ja.“

„Warum flüsterst du?“

„Mag ich“, sagte Bruno.

Sie gingen zusammen durch den Nebel. Bruno folgte dem Geruch von Wasser und nassem Moos, der Hase blieb dicht neben ihm. Als sie am Bach ankamen, lichtete sich der Nebel ein bisschen.

„Da ist meine Wiese!“, sagte der Hase. Er war auf einmal weniger zittrig. „Danke, Bruno.“

„Gern.“

Der Hase zögerte. „Ich heiße Pip.“

„Hallo Pip.“

„Bist du öfter hier?“

Bruno überlegte. „Morgens schon.“

„Ich auch“, sagte Pip. Und dann hoppelte er los.

Bruno schaute ihm nach bis er verschwunden war. Dann setzte er sich hin und lauschte dem Bach.

Er dachte: Wenn ich gehault hätte, wäre Pip weggerannt.

Manchmal war leise genau richtig.

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